Prozess gegen Antifaschistin in Bonn – Am 18. Juni Naziaufmarsch in Bonn blockieren!

Prozess gegen Antifaschistin in Bonn – Am 18. Juni Naziaufmarsch in Bonn blockieren!

Update: Beide Verfahren wurden ohne Auflagen eingestellt.

 

Prozess gegen Antifaschistin in Bonn – Am 18. Juni Naziaufmarsch in Bonn blockieren!
Bericht vom Prozessauftakt (30.05.) der Bonner Jugendbewegung


Eine junge Antifaschistin soll in Bonn abgeurteilt werden, wegen der aktiven Teilnahme an Blockadeversuchen gegen PEGIDA und HOGESA in Bonn und Köln. Der Tatvorwurf wie so oft: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Begründet wird dieser mal wieder mit haarsträubenden Geschichten unverletzter und im Einsatz vollgepanzerter Polizisten. Um so beeindruckender war jedoch der Mut der angeklagten Auszubildenden: Sie nutzt die Gelegenheit und erklärt der Richterin, dass Widerstand heute unsere Pflicht und auch ihre sei, wenn wir angesichts brennender Flüchtlingswohnheimen und rasant zunehmender Naziaufmärsche kein neues ´33 erleben wollen. Sie würde deshalb niemals aufhören antifaschistisch aktiv zu sein (ihre ganze Rede findet ihr unten).


Als die Richterin hierauf die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens andeutete, ergriff der Staatsanwalt das Wort: Mit Bezug auf die Aufmärsche von AFD, PEGIDA und HOGESA meinte er doch glatt, dass nicht jeder, der eine andere Meinung habe, ein Nazi sei. Nazis könne man in Buchenwald kennenlernen. Eine ziemlich eindeutige und verharmlosende Positionierung angesichts der aktuellen gefährlichen Entwicklungen in Deutschland. Nicht verwunderlich, dass er um so engagierter auf die Fortsetzung des Verfahrens gegen die Antifaschistin besteht. Offenbar soll an ihr ein Exempel statuiert werden.
Als einziger Zeuge des Tages sprach ein Polizist, der erklärte wie vorsichtig und zurückhaltend die Festnahme der Auszubildenden abgelaufen sei, die sich gewalttätig gewehrt habe. Die Verteidigung kündigte an ein Video als Beweis vorzulegen, dass die Aussage des Polizisten als falsch belegen würde. Die Verhandlung wurde daraufhin vertagt.
Bei Kaffee und Kakao nach der Gerichtsverhandlung sagte die Betroffene zu uns:
„Wir dürfen uns von sowas echt nicht einschüchtern lassen. Auch wenn mir jetzt wahrscheinlich Sozialstunden und Geldstrafen drohen, fahre ich trotzdem am 18.06. mit euch nach Bad Godesberg gegen den Naziaufmarsch. Solange wir zusammen halten, mache ich mir da gar keine Sorgen um mich selber.“
Wir werden weiter berichten. Falls ihr Unterstützung anbieten wollt (finanziell oder persönlich), dann meldet euch bei uns und kommt mit zum nächste Prozesstermin – denn eine ist angeklagt, gemeint sind aber wir alle!
Und nicht vergessen: Am 18.06. in Bonn Bad Godesberg: Naziaufmarsch blockieren!!!

Rede der angeklagten Antifaschistin:

„Mir wird vorgeworfen im Dezember 2014 (Bogida) und im Oktober 2015 (Pro NRW und HogeSa) eine Widerstandshandlung vorgenommen zu haben.
Aber was heißt Widerstand eigentlich in Zeiten wie diesen, in denen Pegida, Hogesa, NPD, AfD und co. immer mehr Zuspruch erhalten, ín denen Rassisten und Neonazis sich immer offener zu Bekennen geben, Flüchtlinge fast täglich angegriffen und ihre Unterkünfte mutwillig abgefackelt werden.
Die rechtspopulistische Partei AfD hat in den letzten Landtagswahlen bis zu 25% der Stimmen erhalten, es wird offen gegen Flüchtlinge, Mitmenschen einer anderen Herkunft oder eines fremden Aussehens und unsere muslimischen Nachbarn gehetzt.

Ich muss mich hier vor Gericht verantworten, weil ich Widerstand geleistet haben soll, aber viel mehr schäme ich mich ind Grund und Boden für die deutsche Justiz und die deutsche Polizei, die diesen Rassisten keinen Einhalt gebietet, sondern sie vielmehr schützen und genau die Menschen bestrafen, die sich gegen ein neues 33 wehren wollen.
Warum ich von einem „neuen 33“ spreche? Schauen sie in die Geschichtsbücher, schauen Sie nach, wie es damals begonnen hat. Hitler und seine Nazis wurden nicht ernst genommen. Es seien ja nur ein paar Leute, die gegen Juden und co. hetzen, die würden schon von selbst wieder verschwinden, hatte man damals gesagt.
Was letztendlich passiert ist, wissen Sie! Die Freiheit wurde abgeschafft, Menschen eines anderen Glaubens, einer anderen Herunft, einer anderen politischen Meinung und Menschen mit Behinderung wurden in Arbeitslager gesteckt und industriell ermordet.
Ich habe nicht in dieser Zeit gelebt. Ich muss mich nicht schuldig fühlen, für das was damals geschehen ist. ABER es steht in meiner und unserer aller Verantwortung, aus der Geschichte zu lernen und so etwas nie wieder zuzulassen!
Egal was passiert, egal wie sehr ich auch bestraft werde: Ich werde niemals aufhören mich zu wehren und Widerstand gegen eine solche Entwicklung und Menschenverachtung zu leisten!

Ich wünsche mir, dass viele Menschen es mir gleich tun und versuchen Rassisten in ihren Vorhaben zu stoppen und ich wünsche mir, dass Justiz, Polizei und Regierung zusammen mit uns etwas verändern! Anstatt, dass die Menschen, die für eine bessere, offene und bunte Gesellschaft auf die Straße gehen, um Rassisten die Stirn zu zeigen, festgenommen, von der Polizei gedemütigt, geschlagen und beleidigt werden, wie ich es erfahren musste.

Sie können mich bestrafen, aber das wird nichts daran ändern, dass ich weiter Widerstand leiste, wie mir so schön vorgeworfen wird.
Aber Sie können mich auch freisprechen und zusammen mit mir für eine bessere Zukunft kämpfen.“

Comment ( 1 )

  1. ReplyArtie
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