„No humanity, no one care.“ – Troisdorfer Hungerstreik

„No humanity, no one care.“ – Troisdorfer Hungerstreik

Am Morgen des 21. März 2016 haben 12 Geflüchtete aus Troisdorf Bergheim einen Hungerstreik begonnen. Anlass hierfür ist, dass sie seit 7-9 Monaten auf einem Termin beim BAMF warten, um ihren Asylantrag stellen zu können. Sie leben in Ungewissheit und fürchten um das Leben ihrer Familien. Sie kommen aus dem Irak, Syrien und Eritrea. Ein Familiennachzug, ein Integrationskurs, Arbeit und Ausbildung, all das ist erst nach der Asylantragstellung möglich.
Wir von der Bonner Jugendbewegung haben uns mit den Flüchtlingen unterhalten, mit ihnen Plakate gemalt und die Presse informiert. Bereits am ersten Tag war der WDR vor Ort und auch das Radio Bonn/Rhein-Sieg hat über die Aktion berichtet: http://www.radiobonn.de/bonn/rb/1355303/news/bonn_rhein-sieg

Am Morgen des 22.03. ist einer der Refugees zusammengebrochen und musste ins Krankenhaus. Daraufhin kamen Mitarbeiter des Sozialamts in die Unterkunft. Sie drohten den Flüchtlingen mit der Polizei, einem Besuchsverbot und forderten einen Abbruch des Streiks. Die Streikenden ließen sich nicht einschüchtern, erklärten den Mitarbeitern ihre Beweggründe und streiken weiter.
Am Nachmittag des 22.03. erschien die Polizei mit dem Ordnungs- und Sozialamt. Diese erteilten allen Anwesenden, welche nicht in der Unterkunft untergebracht sind, einen Platzverweis. Dieser Platzverweis betrifft sowohl Flüchtlinge, die am Streik teilnehmen als auch AktivistInnen der Bonner Jugendbewegung und der Linksjugend [’solid] Bonn. Der Platzverweis wurde weder begründet noch zeitlich begrenzt. Die Polizisten haben den Aktivisten nicht mal ihre Namen mitgeteilt. Somit erschweren die Beamten sowohl das Durchführen der Flüchtlingsarbeit als auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Am 23.03. waren Mitarbeiter vom Express vor Ort, machten Fotos und befragten die Flüchtlinge. Der Artikel ist hier zu finden: http://www.express.de/bonn/im-containerdorf-troisdorfer-fluechtlinge—wir-hungern-bis-zum-asylantrag—23776756 Die Flüchtlinge haben Schmerzen, wollen dennoch weitermachen und hoffen auf eine Möglichkeit ihren Asylantrag stellen zu dürfen.

Am 24.03. haben sich die Flüchtlinge dazu entschieden, ihren Streik abzubrechen. Ihr Schmerzen wurden zu stark und aufgrund der Einschüchterungen seitens der Behörden sahen sie keinen Zweck mehr darin. Das Sozialamt hat keinen Kontakt zum BAMF aufgenommen und die Flüchtlinge fühlen sich allein gelassen. Omar ist sehr enttäuscht von der Situation und sagte vollkommen verzweifelt: „No humanity, no one care“. Wir haben gemeinsam mit den Flüchtlingen eine Mail ans BAMF geschrieben, um auch nochmal diesen Weg zu testen, nachdem jeder der Flüchtlinge bereits von mehreren Behörden weggeschickt wurde.

Wie gehts weiter? Wir vernetzten den Refugee-Protest mit anderen und bauen ein kleines Refugee-Movement auf. Für den 27.04. organisieren wir eine Demonstration mit SchülerInnen, Studierenden und Geflüchteten. Am selben Tag finden Aktionen in Kassel, Berlin, München, Hannover, Frankfurt, Dresden und weiteren Städten statt.

Wenn ihr uns unterstützen wollt oder mehr Infos möchtet, klickt auf den Link:
https://www.facebook.com/events/537466109748243/

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Comments ( 4 )

  1. ReplyClaudia
    Es wäre am sinnvollsten, wenn der Protest gegen das Troisdorfer Ausländeramt, das die Weiterleitung ans BAMF verweigert, vor dem Rathaus in Troisdorf stattfinden würde! Viele Grüße, Claudia
    • Replybjb
      Hey, danke für den Kommentar. Wir haben am Abend des 20.03. davon erfahren, dass die Refugees am Morgen des 21.03. ihren Hungerstreik beginnen möchten. Wir sind auch der Meinung, dass man vor dem Rathaus die Öffentlichkeit besser erreichen und mehr Druck aufbauen kann und haben den Refugees bereits am Abend des 20.03. vorgeschlagen dort ihren Streik durchzuführen. Die Flüchtlinge haben sich dennoch dazu entschieden, bei sich an der Unterkunft zu bleiben, da das Rathaus knapp 10km entfernt ist und sie sich fürchten etwas Verbotenes zu machen. Ein Protest-Camp müsste man anmelden und dann würde die Polizei kommen, die Flüchtlinge trauen sich nicht, an angemeldeten Versammlungen teilzunehmen, da sie ständig von der Polizei eingeschüchtert werden. Wir stehen weiterhin mit den Flüchtlingen und auch anderen Flüchtlingen in Kontakt, vielleicht wird es ja im April ein Protest-Camp geben... :)
  2. ReplyClaudia
    Ja, das ist klar, ich hatte mehr an eine Demo gedacht, wie in Bonn halt. Denn was in Bonn passiert, wird für Troisdorf nicht nochmal so klappen können wie nach dem 02.02. Leider sind die Betonköpfe in Troisdorf weit sturer. Aber dafür müsste man die Flüchtlinge in Troisdorf organisieren, ich weiß aber leider nicht, wie man die alle erreichen kann.
    • Replybjb
      Wir stecken all unsere Kräfte in die Vorbereitungen und die Mobilisierung für die Demo am 27.4. in Bonn. Dazu haben wir zwar auch Kontakte zu einigen Unterkünften in Troisdorf, aber wir können da nicht mal eben eine große Demo auf die Beine stellen. Was erstmal ein Riesenerfolg ist, ist dass die Mitarbeiter des BAMFs auf unsere Mail, die wir nach dem Hungerstreik verschickten, reagiert haben. Die Troisdorf Bergheimer haben nun ihren Termin und wissen somit endlich, wann sie ihren Asylantrag stellen dürfen. Wir bezweifeln zwar, ob der Termin durch ein Zufall auf den 27.4. gefallen ist, aber wir sind uns sicher, dass wir bereits mit den Vorbereitungen für den Streik Erfolg haben. :)

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